Gartengeschichten

Unser Hotel ist, wie ich schon sagte, riesig. Und wirklich schön angelegt. Tolle Gebäude, schöne Farbkombinationen. Alles in warmen Erdtönen, mit türkisen Akzenten. Und sehr schöne Gärten mit viel viel Grünzeug. Für hiesige Verhältnisse. Glücklicherweise hat man hier auf das Anlegen von Rasenflächen verzichtet. Denn diese benötigen Unmengen von Wasser. Was ja mitten in der Wüste nicht wirklich Sinn macht. Also sind hier viele Pflanzen gesetzt, die gut mit dem heissen Klima und wenig Wasser auskommen. Diese Arten sind dann ein bunter Mix aus allen Wüsten dieser Welt. Das ist jetzt für die lokale Tierwelt sicher nicht unbedingt ökologisch sinnvoll, dafür hilft es, Wasser zu sparen. Finde ich persönlich die bessere Wahl.
Die Pflege der Anlage übernehmen eine Truppe von Herren, die genau denselben Grünton tragen, wie ich auf meiner Arbeit. Das verbindet mich mit diesen fleissigen Herren. Heinzelmännchen. In brütender Morgen- oder Abendhitze stutzen sie fleißig Sträucher und Hecken. Alles von Hand. Akku oder Stromgeräte haben hier noch keinen Einzug gehalten.
Die Bewässerung läuft vollautomatisch. Ein Spinnennetz aus schwarzen Plastikrohren läuft über alle Beete und gibt tröpfchenweise das Wasser an die Erde ab. Es kann versickern, statt zu verdunsten. Auch das spart Wasser. Und Arbeitskraft. In anderen Hotels hab ich die Kollegen tagelang mit dem Schlauch giessen gesehen.
Die grünen Männer kehren und harken. Halten den Strand sauber und planieren den Volleyballplatz mit einem Balken an zwei Stricken, den sie hinter sich herziehen. Einer der Strandputzer zog eine Harke mit gerade mal 2 intakten Zinken hinter sich her. Also für gutes Werkzeug würd ich gern mal meinen Job hier hin verlegen. Es gäbe tatsächlich eine Menge Potential. Aber ein Heinzelmann mit kaputter Harke kehrt halt drei mal so lang, als mit intakter. Wird immer noch günstiger sein unterm Strich, als in neues Werkzeug zu investieren.
Dann gibt es noch die Abteilung Schädlingsbekämpfung. Ein Heinzelmann kommt mit der Spritze und versprüht am Haussockel ein mir leider unbekanntes Mittel. Es riecht nach Metasystox (bei uns seit Jahren verboten). Ich denke, das ist gegen Ungeziefer wie Kakerlaken. Ein weiterer Kollege dieser Truppe geht jeden Abend zur Dämmerung mit einem Nebelgerät (in meiner Lehre hießen die ‚Fogmaster‘) durch die Anlage und qualmt alles voll. Auch hier weiss ich leider nicht, was verwendet wird. Es riecht nach Diesel. Das wird gegen Mücken und Co sein.
Ich erinnere mich an einen Super8Film meines Vaters. Ca 1966 in Spanien, Campingplatz an der Costa Brava. In dem Film fährt auch eine Nebelkanone durch den ganzen Platz und nebelt Zelte, Leute, Wäsche einfach alles dick ein. Mein Vater berichtete, dass damals DDT verwendet wurde…
Dann gibt es noch die Abteilung Forschung, Fortbildung und Erhaltung. Diese schnitzt den ganzen Tag Holztäfelchen, auf denen botanische (nicht lateinische! Erhobener Zeigefinger!!) Namen der einzelnen Pflanzen stehen. Manche sehen eher aus, wie Grabsteine für Fische, denn die Pflanze heisst ganz sicher ‚Canna indica Hybride‘ und nicht ‚Paul‘.
Die letzte Abteilung die ich vorstellen möchte, heisst Constructions. Diese baut. Zäune zum Beispiel. Wo die jetzt genau gelernt haben, weiss ich nicht. Sicher nicht in Deutschland. Diese Abteilung wurde mittlerweile aufgelöst. Ein Bild mit der Begründung füge ich unten an.

Der Fogmaster Heinzelmann

The Fog, Nebel des Diesels

Fischgrab

Bewässerung

Zaun. Oder so

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Korallen lutscht man nicht!

Gestern Abend schon hat der Wind ordentlich aufgefrischt. Er kam in Böen und wehte die Haare in ungewünschtes Chaos und die Serviette vom Schoß. Eine lecker Prise Wüstensand war auch ab und zu dabei.
Der Wind ist heute früh noch stärker. Die Kellner sammeln weggewehte Tischsets ein und sogar Stühle schiebt es durch die Gegend. Das Meer hat selbst in der Bucht weisse Schaumkronen.
Bestes Wetter für einen Cowboyritt zur See. Ich werf ein paar von meinen homöopathischen Wunderpillen ein und alles wird gut bleiben.
Es wird leider nicht der erhoffte Tauchplatz Abu Nuhas. Zu weit, zu windig, zu schade. Dafür haben wir Mitsprachrecht bei der Auswahl des Tauchplatzes. Es geht ganz demokratisch ab im nicht so demokratischen Ägypten.
Wir stampfen und rollen los. Das hätte F* und besonders H* gefallen. Man muss halt nur einen Pott wählen, der klein genug ist + Wind = Seegang. Durch den Wind ist die Temperatur sehr angenehm, die Sonne scheint nur für uns so schön. Ich liebe das Meer, das hab ich wohl von meinen Eltern. Wo meine Schwester dann wohl das Berg-Gen herhat?
Wind, Welle, Farbe, Luft, Sonne. Hach. Prächtig. Gut dass die Anfahrt zum Tauchplatz Zeit zum genießen lässt.
Wir tauchen ganz gemütlich und genießen die Fische und Korallen. Mein Diver ist nicht so gut drauf, ich will ihn aufmuntern. Da liegt ein abgebrochenes Korallenstöckchen am Grund. Ich hebe es auf und möchte es mir wie Reißzähne in die Lippen stecken, damit ich aussehe, wie ein Neoprenvampir. In dem Moment, wo das unscheinbare Stöckchen meine Lippe berührt, brennt es wie Feuer! Ziel erreicht: der Diver lacht sich kaputt und ich lasse das doofe Teil erschreckt fallen. Ich merke, wie die Lippe augenblicklich anschwillt. Hoffentlich ist es nicht zu schlimm. Tauchen geht aber noch. Wieder am Boot sind wir die Ersten, die raufklettern. Man muss geschätzte 25kg zusätzlich die Leiter hochwuchten. Das geht einfacher, wenn man schon im Wasser das eine oder andere ablegt und hochreicht. Flossen sowieso, es tritt sich schlecht auf der Leiter. Dann kommt das Blei. Ich hab 11kg dabei, verpackt in zwei Taschen, die in der Tarierweste stecken, die man aber rausziehen und auch im Notfall abwerfen kann. Der Diver zieht also eine Bleitasche und sie rutscht ab, tschüss. Ab in die Tiefe. Glücklicherweise ankern wir über 10 Meter Sandgrund. Das Problem beheben wir direkt und bergen den Bleischatz. Dann erzählt er, dass der Atemregler mehr Meerwasser, als Luft spendete. Also wechselte er auf den zweiten Regler, den Oktopus. Technik, die begeistert.
Die Mittagspause gestaltet sich ruhig. Ägyptisches Essen, frisch aus der Kombüse. Gekühlte Softdrinks und Wasser, so viel man möchte. Sonne, Schatten, Geschaukel auch im Überfluss. Ich setz mich auf die Tauchplattform und lasse die Beine ins türkise Wasser baumeln….. Ich bin nicht seekrank!

Ps. Meine Lippe hat sich weitgehend beruhigt. Wäre mal statt Aufspritzmittel für Schlauchbootlippen zu testen. Ist jedenfalls 100% natürlich.

Grüsse von Nemo

Wieder aufgetaucht

Mittagessen, alles frisch!

Fischerboot

Ohne Worte schön!

Blöder Putzerfisch

Ententeich, 35 Grad im Schatten, kein kleinster Luftzug kräuselt das Wasser. Die Sonne flirrt und glitzert über dem Meer. Man geht automatisch im Slalom zu jedem Schattenfleck, der sich findet. – Ich zumindest. Da gibt es Leute, die knallen sich und ihre einzige Haut von Früh bis Spät auf die Liege in die Sonne. Ist mir viel zu heiss, zu anstrengend. Allein die klebrige eincremerei nervt mich. Im kalten Deutschland sieht man sowieso nur noch Hände und Gesicht. Diese werden zwangsläufig braun, auch wenn ich es nicht wollte. Wo war ich? Achja Tauchboot.
Wir tauchen heute wieder. Es geht nach El Fanadir. Wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, war ich da schon einmal. Ich könnte im Logbuch nachsehen, ist mir viel zu anstrengend. Die Anfahrt zum Tauchplatz dauert etwa zwei Stunden. Genug Zeit, die Tauchsachen fertigzumachen, den inneren Flüssigkeitstank aufzufüllen und geschickt alle möglichen Schattenplätze aufzusuchen.
Unterwegs tauchen Delphine auf. Man stellt sich das immer so toll vor – sie springen brav parallel zum Boot, schön fotogen, dass man auch als bekennender Handyknipser ein super Bild hat. Machen sie aber nicht. In 20 Jahren Tauchkarriere nicht. Also schwimmen sie ab und zu zum Atmen an die Oberfläche, um dann wieder abzutauchen. Das ist Natur. Wenn man Glück hat (und Geduld und ein Tele), bekommt man super Bilder. Mit meiner Technik bekommt ihr nix. Ich aber hab diesen Moment auf der inneren Festplatte. Wir waren mal in Mexico, schnorchelten mit ca 20 Walhaien um die Wette. Der Diver versuchte strampelnd und schnaufend den verflucht schnellen Walhai auf Chip zu bannen. Das beste Bild war eines des Musters auf der Haut. Ich konnte wenigstens meine Festplatte mit besseren Bildern füttern. Der Diver hat an dieser Stelle leider nix gespeichert. Manchmal muss man sich entscheiden. So liegt nun unser Schwerpunkt auf: genieße den Moment und wenn sich ein schönes Bild ergibt, nutze die Situation. Das kann man ja in die eine oder andere Richtung nach Bedarf ausweiten.
Das Schiff gleitet über das glatte Meer. Für mich ein Segen. Auch wenn ich theoretisch Seegang liebe, macht mir zu viel Seegang Kummer. Heute nicht. Ich genieße die Wärme, das Licht und die unzähligen Farben des Meers. Tiefblau bis schwarz, marineblau, es glitzert. Das Kielwasser wie im Whirlpool, schnurgerade. Ein Schwätzchen mit dem Koch, den Bootsjungs oder anderen Tauchern. Eine ägyptische Familie ist an Bord, zwei Frauen komplett verhüllt. Gern würde ich sie ausfragen. Was sicher sehr unhöflich ist, ich trage Bikini, was sie wohl über mich denken? Ich beschränke mich auf die weltweit gültige Sprache und lächele. Jetzt kommt ein Lächeln zurück. Mehr geht nicht, sie sprechen kein englisch, ich kein arabisch.
Der Tauchplatz ist erreicht. Das Wasser ist von tief azur bis helltürkis, kristallklar, die gestreiften Barsche tummeln sich ums Schiff. Es geht nicht anders, da muss man reinspringen!
Wir erleben einen schönen Tauchgang, der superschön an der Riffwand ausklingt. Tausende orange und lila Fahnenbarsche wuseln herum, das Leben schwimmt zu mir, ich muss mich nicht einmal bewegen. Die lila Fahnenbarsche haben Kajal in türkis aufgelegt und sind unter dem Auge ausgerutscht. Alle gleich! Jauchz. Wie schön.
Ein kleiner länglicher grüner Fisch mit wunderschönem Lila Muster wuselt elegant um die Köpfe der Taucher rum. Er schaut in jedes Ohr, unter die Weste des Menschen vor mir. Ich denk mir nichts dabei und vergesse ihn wieder. Plötzlich hackt etwas in meinen Gehörgang. Au!!! Dieser Fisch hat sich auf das Putzen von Neoprenfischen spezialisiert. Blöder Kulturfolger ….

Auf dem Weg

Ägyptisches Selfie

Meine Farben!

Mondsichel Junker – blöder Putzerfisch. Von Leonard Low

Ich spreche kein Arabisch

Wir sind im all inclusive Hotel. Ja ich weiss. Schlecht für die Einheimischen, so macht man doch kein Urlaub, man muss nicht einmal die eigene Landessprache ablegen. Ist mir egal. Nicht ständig das Geld parat haben, nix umrechnen. Essen, schlafen, Strand wann ich Lust hab. Ich brauche einfach eine solche Auszeit.
An der Rezeption bekommen wir ein hübsches hellblaues Bändchen, das Ticket für alle Bars und Restaurants auf dem wirklich weitläufigen Gelände (ja eine 1,6 km Laufstrecke gibts hier). Aber es gibt auch grüne Bändchen, was uns wirklich verwirrt. Wozu sind die denn? Wir fragen einmal die grünen Bändchenträger:
All inclusive wird jetzt tatsächlich noch übertroffen von ultra all inclusive. Was genau daran jetzt ultra ist, kann keiner erklären. Das Internet hilft: rund um die Uhr alles frei, dine around mit drin – man bekommt auch außerhalb des Hauses diverse Dinge kostenlos. Und eine Massage. Aha. Ich werd auch so satt. Zum Beispiel kann man drei mal am Tag ans Buffet mit dem Bändchen. Das ist jetzt echt nicht wirklich gemütlich aus verschiedenen Gründen wie Schlange stehen – mach ich nicht! Promise! Tisch suchen und behalten – wenn der Kellner nicht so genau weiß, ob man fertig ist, kommt man vom ‚Hauptgang holen‘ zurück und schwupps ist der wunderbare Wein, das lecker Bier einfach abgeräumt und someone else sitzt auf meinem!!!! Platz. Worst case. Besser ist es, eine Sonnenbrille, ein Handtäschchen (hab ich nicht) oder irgendwelche persönlichen Dinge zu hinterlassen. Man kann auch den Kellner mit Trinkgeld erziehen: plötzlich erinnert er sich an Dich. Tisch gesichert.
Es gibt auch die Möglichkeit, im Wechsel zum Buffet zu gehen – nicht sehr kommunikativ oder gemütlich. Manchmal aber leider doch nötig: die draußensitzer Fraktion kennt es: Scharen von Spatzen und einige Raben möchten auch ernährt sein. Ich bin eigentlich großzügig, aber das geht zu weit: mein Brötchen ist meins! Also stellen wir Regeln auf. Erst aufessen, dann aufstehen. Kaffee holt nur Einer, der Andere wacht. Es gibt aber auch andere Geschichten, wo saubere Absprache nicht hilft:
Eine ältere Dame kommt ins Restaurant und lässt sich an einem schönen Tisch nieder. Der Kellner spricht sie an: ’sorry, this table is occupied’…. ???? Er wiederholt freundlich, ‚there are some other people yet‘ ……???? Die golden lady versteht nicht. ‚Sorry, you have to choose another table‘ ……???? Die deutsche Nachbarin hilft nun aus: ‚dieser Tisch ist besetzt!‘ ‚Oh!!!!! Entschuldigung! Ich spreche kein Arabisch!‘

Spatzenfrühstück

Salatbuffet

Kalorienüberfluss

All in – ohne Ultra 🙂

Tauchimpressionen

So ein Tauchboot muss voll sein, damit es sich lohnt. Crew, Sprit, Käptn kostet alles Geld. Also findet sich ein bunter Mix von Bubblemakers auf einem Tauchboot: vom Schnorchler über die sonnenbadende Liebste, zum Tauchanfänger im Kurs bis zum PrivatProfi. Es findet sich auch eine ägyptische Familie ein. Eigentlich sollte die Tauchbasis die Leute nach Erfahrung sortieren. Wenn nicht genug Leute da sind, landen alle auf einem Boot. Dann kann man Glück haben, in der Gruppe zu landen, die zu einem passt. Oder halt nicht. Zwei Guides, 14 tauchende Gäste, naja. Wir hängen uns immer hinten dran. Da weiss man, dass einem keiner in die Flossen schwimmt.
Wir tauchen ab, gewusel an der Oberfläche. Als endlich alle unten sind – oh ich hab mein Blei vergessen, achso Luft ablassen?!? Ausatmen auch noch? Mein Ohr streikt, wo ist mein Buddy, der Guide, ach das ist das falsche Boot, wie tief jetzt?
Es wird ein schöner Tauchgang, man muss halt geduldig bleiben. Tolle Hartkorallen, ein schönes Aquarium mit Lichtstreifen, die die Sonne glitzernd zu uns schickt. Ein richtig grosser Barracuda kommt vorbei und lässt sich putzen. Irgendwie kommt ein bisschen Strömung auf, immer etwas von der Seite. Ich denk noch, uh, gegen die Strömung zurück zum Boot mit all den Weltklassetauchern hier. Das wird ja was. Wir flosseln immer stärker, aber alles im Rahmen. Der Guide – Hamatto – fragt die Luft ab. Die Fraktion am Ende der Truppe hat den Wettbewerb gewonnen. Bei dem Luftverbrauch der Vortaucher hat zurückflosseln keinen Sinn. Wir begeben uns also in den Strömungsschatten eines wunderschönen Tischkorallen-Ergs und tauchen langsam auf. Hamatto versucht, mit der Gruppe um die Ecke zu tauchen. Ich sehe, wie seine Luftblasen von ihm ‚weggeblasen‘ werden. Also bleiben wir so lange im Strömungsschatten, wie es geht. Die ganze Gruppe paddelt angestrengt auf der Stelle. Viel Luft verballert, kein Erfolg zu sehen. Sie kehren um zu uns. Der erste Taucher, Mann über 50 mit Entchen am Tank hat keine Luft mehr und muss bei Hamatto an den Oktopus. Wildes geruder mit Händen und Füßen, bis sich die Gruppe neu sortiert. Ohne Luft wird aufgetaucht, auch das gerät wieder einigermaßen chaotisch. Das Boot sammelt uns ein, es gibt gut Wellen – das Heck des Bootes schlägt stark auf und ab, da ist es eine Herausforderung, heil und wohlsortiert an Bord zu kommen. Alles knubbelt sich an der rechten Leiter, links genug Platz für uns. Fein. Schöner Tauchgang
Als alle raus sind, geht das Gemecker los: viel zu viel Gepaddel, bla bla bla. Wir verlassen deshalb diesen wunderschönen Tauchplatz. Zwei Leutchen Minderheit haben halt leider verloren.
Der nächste Tauchplatz ist mit drei rappelvollen Booten belegt, unter Wasser bubbelt es überall – was einen ordentlichen Lärm produziert. Unsere Gruppe wird von allen Seiten angetaucht. Zwischenzeitlich begleitet uns ein Taucher mit mega Fotoausrüstung. Hat sich wohl nicht gemerkt, wer zu seiner Gruppe gehört….

Super Tauchtag. Wirklich! ☀️🇪🇬

Marina

Seeadler auf Seezeichen

Bootsbriefing

Kielwasser und Tauchplattform

Schande über mein Haupt. Oder: die blöden Pixels

Ich hab einen neuen Tauchcomuter. Also. Fast neu: für die Azoren letztes Jahr gekauft und auch dort eingeweiht. Der „Alte“ hatte nicht mehr genug Batteriekapazität. Hört sich vesnobt an, ist aber so: wenn Batterie leer, dann kaputt. Wenn das gute Teil während des Tauchganges die Zusammenarbeit kündigt, wird es übel. Ohne Anzeige der Grundzeit (wie lang darf ich noch bleiben) oder der Aufstiegsgeschwindigkeit wird es kritisch, man könnte sich die Taucherkrankheit einfangen. Ein Trick wäre noch, bei seinem Buddy zu bleiben- der hat ja auch einen Computer. Dann muss man aber sicher sein, dass er nicht zeitweise in tieferen Gefilden unterwegs war. Also ist eigenes Gerödel doch etwas sicherer. Und auch vorgeschrieben.
Also neu war er. Die Beschreibung gab es ganz modern nur online. Hab ich auch brav studiert – vor dem Tauchen. Ich gehöre zu den ordentlichen Menschen, also war ich mir sicher, dass ich alles kapiert hab. Was man nicht vor dem Tauchen machen kann, ist die Funktionen während des Tauchens am Computer auszuprobieren: er schaltet sich erst auf 1,2 Meter Wassertiefe ein. Und zeigt dann natürlich andere Daten an, als über Wasser. Also nutzt man die Beschreibung als Informationsquelle, was denn da so unter Wasser anders ist. So weit, so gut.
Wir gehen tauchen. Beim 4. Tauchgang gehen wir auch in Deco. Was ich nicht bedacht habe ist, dass der Rechner nun andere Bilder liefert, als ich geübt hab UND dass ich das Driss Display nicht lesen kann (bin über 50….). Ohne Brille unter Wasser und der Arm zu kurz. Irgendwas blinkt und irgendein Heini piept die ganze Zeit (ich HASSE piepen). Unter Wasser ist der Schall etwa vier mal schneller, als an der Luft. Also hört man irgendwie mehr, voll verwirrend. Das Hirn sagt, da ist ein Boot über Dir. Das Auge meldet: nö Du Doof, da is nix. Also es piept. Mein Diver hört es auch. Aber ich realisiere nicht, dass ich es bin. Etwas läuft schief und ich schnalle es nicht. Irgendwann dann aber doch. Mein Rechner meldet blinkend: Zusammenarbeit beendet! Jetzt! Mach doch ohne mich weiter!
Also: rüber zum Buddy und hoffen, dass der nicht abhaut. Nicht so leicht, denn es hat ordentlich Strömung, man paddelt ganz schön. Zum gestressten Herzschlag kommt nun noch Anstrengung dazu. Man Atmet schneller – was durch den Automaten auch nur sehr begrenzt möglich ist. Was wiederum das Problem verstärkt. Ich zeige ihm an, dass ich ihm von nun an wie ein Dackel folge – das Problem kann ich nicht wirklich erklären.
Nach dem Tauchgang forschen wir, was schief gelaufen ist: ich habe beim Auftauchen einen vom Rechner vorgeschlagenen Stopp zu früh beendet, das Piepen hab ich überhört, das Blinkende etwas konnte ich nicht zuordnen, geschweige denn lesen. Der Rechner hat die Konsequenzen gezogen und mich aus dem Verkehr gezogen. 48 Stunden do not dive.
Ich hab mir nochmal die Beschreibung angesehen: wie soll man darauf lesen können? Echt schlecht gemacht, die blöden Pixels (was steht rechts über der 12?).

Anzeige aus der digitalen Beschreibung:

Morgensonne über the red sea

Frühstück:

Nachbars Boot. Mit tauchender pinkf. Muslima

Schluss mit Lustig

Jetzt geht es los! Ich hab mir gewünscht, dass wir erst Tauchen gehen, wenn der Wind nachlässt. Windguru hat angekündigt, dass das ab heute der Fall ist. Zum Tauchen muss man sich nur anmelden, eintragen in eine Liste ist nicht nötig. Um 8 an der Basis sind wir die Einzigen, das Blatt des Guide ist leer. Das bleibt sicher nicht so. Wir haben Boxen mit unserem Namen drauf, zudem ist hier notiert, dass alles ‚private‘ ist. Gut so, sorgt für Respekt vor meinem Eigentum. Wir steigen auf die ALS Prince und richten uns ein. Auf dem Sonnendeck einen Platz zu suchen, macht nicht wirklich Sinn, wenn der Kahn loszieht, zaubern sich die Schattenecken in Sonnenecken und man muss wieder umziehen. Das Schiff füllt sich dann doch mehr und mehr, und die Gäste wissen nix von dem Sonnenzauber.
Wir bauen unser Tauchgerät zusammen, die Atemluft, heute Nitrox (NIE NIE NIE Sauerstoff, da wär ich bei 6 Metern Tiefe schon vergiftet) – wird analysiert und in die Ergebnisse in eine Liste eingetragen: wer hat welches Gemisch, in welchem Tank, wie ist die maximal erlaubte Tiefe dazu. Unterschrift. Kulis Mangelware. Arme Ägypter. Langsam herrscht Platzmangel überall. Da wir das Ganze schon von diversen Urlauben kennen, finden wir immer ein Eckchen. Es geht nach Umm Gammar – zur Mutter des Mondes. Genauso wie der Tauchplatz klingt auch die Musik, die von der Brücke schallt. Gemütliche gute Stunde raus, dann treffen wir auf sicher 4 Tauchboote, die schon vor uns dort ankern. Nach einem Briefing – wer taucht mit wem, wo lang, wie lang, welche maximale Tiefe, welche Muräne wohnt hinter der 3.Koralle rechts – gehts dann los. Ich zwänge mich eine gefühlte Stunde in den Anzug. Das ist so anstrengend, dass ich den die nächste Woche nicht mehr ablege. Ist übrigens aus Neopren, KEINESFALLS aus Moltopren, wie manche schlecht informierte Buchautoren behaupten. Mit Neopren und Nitrox bewaffnet ziehen wir los. Großer Schritt vom Boot ins Wasser, dann Abtauchen. Wir schweben durch die Korallen und genießen das tiefe Blau. Meine lieblings Barsche begleiten das tiefe Blau. Schön. Leider ist es etwas voll, das trübt die Freuden. Eine Höhle, der Diver würde es wohl Höhlchen nennen, ist mir zu voll, ich drehe um und warte vorn. Mit meinem Computer hab ich Frieden geschlossen – das ist eine andere zu erzählende Geschichte – alles gut.
Der Tauchgang endet mit vollendetem Service. Dass die Jungs einen nicht aus dem Wasser heben, ist alles. Nach einer Stunde Pause folgt gleich der zweite Tauchgang. Danach das Mittagessen. Das hat für mich den Vorteil, dass ich mich nicht aus meiner zweiten Haut pellen muss.
Das Essen ist echt lecker und endlich mal ägyptisch. Frisch, viel Gemüse, Fisch und frittierte Hühnerflügel. Die Chips, die es anno pief noch dazu gab, haben ausgedient. Getränke und Obst werden rumgereicht. Wow. Ich gebe 5 Sterne. Dann kommt eine klasse Rückfahrt, wir müssen sogar Bewertungsbögen ausfüllen! Die Sonne schaltet auf sanft und mein Lieblingslicht um. Das lässt sich sehen.
Der Tag wird mit lecker Essen und ein paar Drinks ausklingen – hier riecht es extrem nach Barbecue…..

Ich bin übrigens nicht Seekrank 🙂

Die Boote

Gerödel zusammenbauen

Gasgemisch testen

Tauchplatz

Schönes Licht