Angst, Stufe 2

Zu meinem 50. Geburtstag hab ich von meinen Kollegen einen Gutschein für Action jedweder Art geschenkt bekommen. Schön. Da lag er nun rum, und ich hab überlegt, was man damit anstellen kann. Der Staub wurde dicker und nichts Passendes fiel mir ein. Letztendlich hat mich der Termindruck bewogen, ernsthafter in dieses Thema einzusteigen -denn der Gutschein hat ein Verfallsdatum. Bald. Ein unschlagbares Argument, tätig zu werden.

Ich musste mich zwangsläufig mit Action-Themen befassen, da mein Driver gern waghalsige Dinge versucht, die ich eigentlich ablehne. Aus Angst.

Da ich das Zippline-Ding (Angst Stufe 1 – siehe Costa Rica „Adrenalin brauch ich nicht“) erfolgreich gemeistert habe, wollte ich nun eine Schippe drauflegen, um zu testen, wie das so läuft in meinem Hirn.

Wir werden im Landschaftspark Duisburg den Hochseilgarten versuchen zu bezwingen:

Der „Landi“ ist ein 180 Hektar großer Park rund um ein stillgelegtes Hüttenwerk in Duisburg. Man kann sie teilweisen besteigen (Hochofen 5), viel ist erklärt zur Gewinnung von Roheisen, die Aussicht ist klasse, die Fotomotive unbegrenzt. Zwei Öfen fehlen, die wurden abgebaut und in Indien wieder installiert. In der Gießhalle des ersten Hochofens kann man im Sommer ins Konzert oder ins Kino gehen. Nachts ist die ganze Anlage bunt beleuchtet. Es gibt Biergärten, Fahrradverleih, Kultur, ein Tauchzentrum im Gasometer. Hochofen 2 wurde zum Höhenkletterparcours umfunktioniert. Das ist unser Ziel.

Wir sind zeitig da, trinken etwas, schauen uns noch was um. Um 17 Uhr ist Treffen am Pförtnerhäuschen. Die Gruppe ist recht groß, wird aber aufgeteilt. Wir gehen rüber zur Gießhalle, es gibt eine praktisch gestaltete Einweisung ins Anlegen des Klettergeschirrs, man rüstet sich selbst. Ich bleibe gelassen, normalerweise müsste ich jetzt schon schwitzen. Aber ich habe mir gesagt, dass das Geschirr mich sicher halten wird und ich mir das bei Angst abrufen möchte. Klappt nicht, kein Angst….

Die Gießhalle ist mit Seilen, Tonnen und Kletterpfaden durchspannt. Wir üben am Sims, wie man die Karabiner zur Sicherung richtig einsetzt. Leichte Übung. Dann kommt die erste Querung auf einem Indiana-Jones-Tritt: zwei Drahtseile, verbunden durch Brettchen, die freundlicherweise in unregelmäßigen Abständen verlegt sind. 5 Meter Höhe. Ok. Ich fange einfach an. Wenn man in der Mitte tritt, geht es, es wackelt trotzdem, aber es gibt oberhalb ja das Sicherungsseil, man kann sich festhalten. Ich konzentriere mich auf die Aufgabe. Klappt. Nun queren wir die Halle auf Drahtseilen hin und her. Geht auch. Keine Zeit zum Angstkriegen. Ein Parcours mit Tonnen, Brettern und Leitern liegt vor uns. Ich realisiere, dass wir nun hochklettern müssen, ins Dach der Halle. Die Koordination mit den Karabinern und Händen ist noch etwas kompliziert, aber keiner schaut sorgenvoll oder gar böse. Weitermachen.

Oben angekommen, geht es über einen 5cm schmalen Träger im Dach. Schluck! Ich wage mich erfolgreich rüber. Der nächste Träger ist viel breiter, kein Problem!! Die Höhe ist schon beachtlich, ich muss mich über mich selbst wundern.

Am Fuße des Hochofens sammeln wir uns, es gibt einen Schluck Wasser. Weiter geht es rollend über die Abgründe neben dem Hochofen. Das kann ich schon!

Zwischen den Hochöfen 1 und 2 bewegen wir uns jetzt hin und her, immer ein Stockwerk höher. Zurück geht es über ein Drahtseil zu Fuß, zwei Seile oberhalb dienen der Sicherung. Es schaukelt und wippt. Aber ich schaffe auch das:

Es folgen weitere Zipplines. Dann geht es hoch, zu einem fetten, rostigen Rohr. Auf diesem krabbelt man in wirklich luftige Höhen. Meine Mitstreiter äußern Bedenken, ich glaube, ich packe auch das. Das Rohr ist ordentlich breit und die Steigung machbar. Aber es hängt da so mitten im Nichts in der beängstigenden Höhe. Ich möchte mir jetzt nicht erlauben, komische Szenarien zu denken. Alle vor mir kraxeln einfach hoch. Also tu ich das auch. Alles gut, bis ich sehe, dass die aufgeschweißten Steige sich von der sicheren Mitte weg zum Rand über dem Abgrund verschieben.

Jetzt wird mir echt mulmig.

Erstmal Aussicht genießen, dann einfach den nächsten Karabiner umsetzen und immer nur einen Steig als Nächstes anpeilen. Ich klettere gerade da, wo mich meine Angstträume gern Nachts wach machen!

Oben auf dem Rohr sitzt einer der Begleiter vom Team Power-Ruhrgebiet und grinst. Nicht der schlechteste Ort zum arbeiten.

Über Stahl und Geländer schaffe ich es wieder auf festen Boden. In 50 Metern Höhe. Das fühlt sich jetzt sicher an. Aber ich werde sofort aufgefordert, meine Karabiner neu einzuhaken: zwei Seile hoch zwischen Duisburgs Hochöfen! Ein Drahtseil zum drauftreten, zwei zum Festhalten und Sichern. Jetzt wird es richtig ernst!

Ich hake die Karabiner ein und klettere über das Geländer. Vor einem halben Jahr hätte ich jeden für geisteskrank erklärt, der mir davon berichtet hätte. 50 Meter Tiefe unter mir, 30 Meter Nichts vor mir. Ich wage einen Schritt. Das Seil schneidet in die Finger, der Tipp mit den Fahrradhandschuhen war doof – zu kurz. Es ist ordentlich windig, kein schönes Gefühl. Kein Mensch vor mir, keiner hinter mir. Ok. Ich mach das jetzt. Schritt, Karabiner weiterschieben. Hinter mir ruft mein Fotograf. Anhalten umdrehen. Lächeln. Geht. Hinter mir fängt das Seil an, zu schaukeln, der Nächste betritt das Hochseil. Das erschwert die Sache nochmal. Schritt für Schritt ist echt eine gute Methode.

Vor mir stehen 4 bereits Erfolgreiche. Ich bitte um ein Foto – keiner hat ein Handy dabei! So hangele ich mich ohne Beweisfoto zum Ziel: das rettende Geländer!

Eine Etage tiefer geht noch eine Rutschpartie über den Abgrund. Dann werden uns die Rollen abgenommen. Schade. Es folgt: Abseilen! 40Meter hat es sicher noch. Hm. Muss das sein? Ich könnte die verlockende Treppe nehmen. Aber ich habe schon woanders zweimal gekniffen und das später bereut. Ich denke, das ist mein Antrieb!

Wir werden angeschirrt und es ist ganz leicht! Ich kann mich wie ein Profi in die Tiefe abseilen! Coole Sache.

Ich habe kapiert: nicht nur machen, auch genießen! Ich lasse mir also Zeit, schaue mich um. Tolle Kulisse hier. Ich könnte glatt nochmal. Aber meine Arme und die Gesamtkondition sagen etwas anderes: Pause, Essen!

Die Besichtigung des Landschaftsparkes bei toller Beleuchtung muss ein anderes mal erfolgen.

Danke, Gutschein!

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Pura Vida

Pura Vida. Da ist das Lebensmotto der Ticos. Pures Leben. Man kann es überall anwenden. Zum Beispiel als hallo, alles klar, danke, okay, ja, auf Wiedersehen. Ist echt praktisch, wenn man nicht genau weiß, was man auf manche Frage antworten soll. Pura Vida passt irgendwie immer. Jedenfalls löst es immer ein freundliches Lächeln aus. Freundlich sind hier wirklich alle. Und immer gut drauf. Nicht umsonst heißt es, die Costa Ricaner seien das glücklichste Volk der Welt. Das kann ich gut verstehen. Ein wunderschönes Land, die Natur ist wirklich noch intakt. Und geschützt – ein Viertel des ganzen Landes. Das größte Kapital hier ist die Natur. Zwei fantastische Ozeane. Viele Klimazonen auf kleinstem Raum. Costa Rica ist so groß wie Niedersachsen. Hat aber an Biodiversität – Artenvielfalt – 5% des weltweiten Anteiles. Dazu kommt, dass es eine stabile Demokratie gibt, die keine Armee nötig hat. Hut ab.
Aber der Müll wird hier wahrhaft militant getrennt. In diesem Hotel hier gibt es eine Tonne für Konservendosen, aber auch eine für Getränkedosen. Man schämt sich, alles einfach in einen Mülleimer zu werfen. Viele Hotels und Lodges arbeiten mit hohen Umweltstandards, wie zum Beispiel Nachhaltigkeit, Energiesparsamkeit, Bio. Eigene Hühner, Gemüsegärten und Fischzuchten haben wir mehrmals erlebt.
Am Strand liegt kaum Müll, die Straßenränder sind gepflegter, als bei uns. Der Parkscheinautomat am Flughafen war das modernste, was ich je gesehen habe. Selbst die Stempeluhr in einem Hotel war moderner, als bei uns – sie funktionierte mit Fingerabdruck. Eine App für Kreditkartenzahlung gibt es.
Als Raucher ist man hier echt aufgeschmissen. In allen öffentlichen Bereichen ist Rauchen verboten. Ich habe auch noch keinen Tico hier rauchen sehen. Ist äußerst unpopulär. Gut so. Aber es gibt auch andere erwähnenswerte Faktoren:
Die Möbel sind hier zum größten Teil aus diesem wunderschönen gemaserten, gewundenen, dunklen Tropenholz. Liegt ja überall vor der Tür rum. Die Stühle sind tonnenschwer und ALLE total unbequem. Man sitzt stockgerade, ein Kissen gibt es selten. Die Tischhöhe ist wohl der Körpergröße des Schreiners geschuldet. Mal schaut man gerade über die Kante, mal ist der Tisch viel zu tief.
Meteorologe möchte ich hier nicht sein. Alle 2 Kilometer kann das Wetter völlig unterschiedlich sein. Man muss also kleidungstechnisch immer auf alles gefasst sein. Obwohl jetzt hier Sommer, also die regenarme Zeit sein soll, regnet es noch immer fast täglich. Die Eingeborenen sagen, dass das nicht normal ist. Also lässt der Sommer hier noch auf sich warten.
Genauso unberechenbar, wie das Wetter sind hier die Moskitos. Da, wo man sie erwarten würde, sind sie nicht. Wo man zu arglos ist, erwischt es einen. Lange Ärmel und lange Hosen sind eine gute Empfehlung. Das ständige Einsprühen ist nicht so unseres. Trotzdem ist die Pulle nach 3 Wochen Sparsamkeit leer und wir sehen aus, als hätten wir die Pocken.
Wir sind in einem gut entwickelten Land gereist. Ebenso entwickelt sind hier die Preise. Wenn man hier unterwegs ist, muss man mit unseren Preisen rechnen. Wenn man billiger reisen möchte, bleiben nur Hostels und Sodas (einfache Restaurants, es gibt immer Bohnen und Reis) Das sind hier die günstigsten Varianten.

Für uns ist Costa Rica ein lange geplantes Traumziel gewesen. Zu Recht. So viel Abwechslung, so viel Schönheit, so viel Freundlichkeit hat uns sehr begeistert. Wir fühlten uns nie bedroht, Angst hatten wir nirgendwo. Es war wunderschön. Wir sind dankbar, dass wir hier sein durften.

Pura Vida!

Unser Kennzeichen

Nationalstraße

Cerveza

Schild

Friedhof

Einkaufen

Cero buena vista

Wir haben die Präsidentensuite. Nicht nur, dass wir auf unsere Untertanen herabschauen können (O-Ton Driver), nein. Als wir ins Zimmer zurückkommen, stellen wir fest, dass unsere Betten mit Wärmflaschen bestückt sind! Es hat sich ordentlich abgekühlt. Gestern noch haben wir ein Laken als Bettdecke gehabt und den Deckenventilator geliebt, heute haben wir Plüschoberbett und Wärmflasche bei 10 Grad Celsius. Eine Herausforderung an jeden Kofferpacker. Im Restaurant sind mehrere kleine Holzöfen angefeuert, es riecht gemütlich nach Kamin. Abendessen gibt es in Buffetform. Mehrere Gruppen mit Rentnern, alles Amerikaner füllen die Tische. Die Möbel sind aus rustikalem Holz, jede Tischplatte eine dicke, rund Baumscheibe mit knorrigen Beinen. Gemütlich ist es hier. Das Essen ist auch lecker. Da fehlt nur noch der Caférica zum Abschluss. Nein, kein Kaffee. Das ist ein leckerer Cafélikör.

Heute geht es auf Panoramatour. Unser Guide Agniel trifft uns um 14 Uhr an der Rezeption. Wir drei fahren mit unserem Auto die 6 abenteuerlichen Kilometer aus dem Tal wieder herauf. Etwas nach Norden und dann rechts in einen kleinen Pfad über den Cerro frio zum Cerro buena vista. Hier parken wir das Auto und gehen die Straße bergab. Dann biegen wir in die Vegetation ab. Einmal eine etwas andere Version des Wanderns: erst bergab, dann wieder hoch. Hier herrscht Chusquea subtesellata vor. Wir sind in der alpinen Vegetationszone und dieser Bambus ist die Anzeigerpflanze. Weiter bergab. Wir lernen dies und das. Ich krame meine botanischen Kenntnisse zusammen und kann ganz gut mithalten. Der Driver hört freundlich zu und ist auch wirklich interessiert. Später bemerkt er, dass entweder die Pflanzen größer sind, oder aber er geschrumpft ist. Richtig! Wir sind in der subalpinen Vegetationszone angekommen. Hier ist ein anderer Bambus vorherrschend: Chusquea talamanquiensis. Der andere Bambus ist verschwunden. Agniel pflückt von einer anderen Pflanze Blüten ab, die man essen kann. Wir probieren. Schmeckt nach Blaubeeren! Eine hiesige Verwandte. Interessant! Der Driver pflückt noch ein paar to go. Langsam erscheinen Bäume auf dem Weg. Die größten sind Eichen, Quercus costariquensis. Baum kleiner, Früchte größer, als bei uns. Unsere Anzeigerpflanze für die Highmountain-Zone. Keine Lust zu googeln, wie das in deutsch heißt. Wir sind jetzt eine Stunde unterwegs und durch drei Vegetationszonen gewandert. Ich bin beeindruckt. Hier gibt es zur Stärkung ein Bonbon vom Guide, einen Schluck Wasser und eine 180 Grad-Kehre. Jetzt wird’s ernst. Wir laufen uns ein, finden das Tempo und stellen das Reden ein, die Luft wird jetzt an anderer Stelle gebraucht. Der Guide schlendert voran, er hat einige Vorteile. 0 bis dreimal die Woche macht er die Tour, er lebt auf dieser Höhe. 3467 Meter hat der Cero de buena vista. Das sind wir nicht gewöhnt. Schnauf. Aber wir halten uns gut, wie ich finde. Die Sendemasten für Radio, Fernsehen und Telefon tauchen im Nebel auf. Ein Regenbogen ziert unseren Erfolg. Fast geschafft. Fehlt nur noch die letzte Straße vom Anfang. Die hat es in sich. Wir eiern hoch. Agniel geht in Serpentinen. Das probieren wir auch. Sieht zwar lustig aus, geht aber wirklich besser. Geschafft!!!
Die Familie R* hat eruiert, dass wir zwischen 400 und 1000 Höhenmetern runter und rauf überwunden haben. Die wissenschaftliche Studie steht noch aus. Wir steigen in unsere Touristenkarre und der arme Driver muss noch die anspruchsvolle Strecke zurück bewältigen. Wie wir es gewohnt sind, löst er das souverän, während ich mit Agniel noch nett über dies und das in Costa Rica und Alemania plaudere. Tolles Erlebnis, danke Agniel. Wir belohnen uns mit den Freuden einer wirklich guten Lodge.

So, ihr Lieben. Das wars von uns aus Costa Rica. Ich freue mich, dass Ihr mitgereist seid. Morgen geht es zurück nach San José. Am Samstag über Panama und Madrid zurück nach Frankfurt. Ich würde mich wirklich über einen kurzen Kommentar von allen freuen, die die ganze Zeit dabei waren, z.B. ‚komplett mitgereist‘. Das wäre eine wirkliche Belohnung für die ganze Arbeit, die ich mir gerne gemacht habe. Eine Zusammenfassung kommt auch noch, mal sehen, ob von hier, oder zu Hause. Hasta luego! Adios.

Trogon Lodge mit Präsidentensuite

Schöne Dekoration

Botanische Erklärungen

Aussicht

Technik

Wir sind über den Wolken

Trogon Lodge

600 PS haben schon ordentlich Schub. Das Boot, das uns aus dem Nirgendwo wieder abholt ist ganz schön flott unterwegs. Die Crew ist auch auf Zack, sicherlich 6 mal legen sie am Strand an und wieder ab, um Leute einzusammeln. Am Ende sind es 30 Passagiere, jeder mit Sack und Pack. Dann Düsen wir übers Meer zurück in den Rio Sierpe. Schnell Auto vom bewachten Parkplatz holen und die nächste Etappe angehen. Wir haben wieder Empfang am Navi WiFi und gratulieren unseren Nichten zum Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch!
Wir Schrauben uns wieder in die Berge hoch, immer höher geht es. Wir fahren in die Wolken, zack, Nebel. Um die nächste Kurve, zack Sonne. Über uns sind auch noch Wolken. Bis an die arbeiten wir uns auch noch heran. Der GPS Tracker zeigt am höchsten Punkt 3300 Meter an. Dann will das Navi links. In einen besseren Feldweg. Es geht steil bergab. Richtig steil. Nun verlieren wir auf dem Sträßchen wieder ordentlich an Höhe. Es geht in ein schmales Tal. Von oben kann man auf winzige Häuschen schauen. Ein paar davon sind unsere Lodge. Wir checken ein und bekommen die Suite, zum Abschied sozusagen. Die liegt aber ganz oben am Hang. Also kraxeln wir mit dem ganzen Gepäck den Hang hoch, dann wieder runter zum Auto. Wieder hoch, zum Umziehen und wieder runter, um auf den Wanderweg zu kommen. Der geht auf der anderen Seite des Tälchens den Berg wieder rauf. Nun schrauben wir uns zu Fuß den Berg hoch. Durch einen grünen, dichten, verwunschenen Wald. Riesige Bäume, bewachsen mit Moosen, Flechten, Farnen und Bromelien kleben am Hang, dazwischen grünes Dickicht, unten rauscht der Fluss. Bergauf ist echt anstrengend, der Pfad ist schmal und holperig. Ich trete einen Stein los, der poltert in die Tiefe. Jetzt gehe ich noch vorsichtiger. Niemand begegnet uns, wir sind allein und suchen nach Tieren. Aber ohne Guide ist das nicht so einfach. Außerdem haben wir kein Fernglas dabei. Mit dem Teleobjektiv geht das zwar auch, ist uns aber zu anstrengend. Am Ende des Weges gibt es zur Belohnung noch einen Wasserfall. Es kühlt sehr schnell ab, jetzt wo die Sonne weg ist. Wir verziehen uns in unser Zimmer mit Blick. Es kommt jemand und zündet die Heizung an. Das ist auch wirklich nötig hier oben. Ziemlich Fußkalt außerdem. Wir schlappen in Socken und Flipflops durchs Zimmer. Lustig. Das Dinner ist für 19 Uhr bestellt. Belohnung für einen anstrengenden, schönen Tag.

Baustelle mit Vollsperrung. Nichts geht mehr. Mal wieder.

Wolkengrenze

Nebel oder Wolke. Wie man es nimmt

Loge vom Zimmer aus

Vriesea

Baumriese

Isla de Caño

Dieses Post widme ich Astrid und Doro. Ihr wisst beide, wieso.

Wieder vor dem Wecker wach. Das wäre mal was für zu Hause. Denn das Helferlein klingelt zu Hause auch nicht früher, als hier. Die bereitgelegten Sachen sind schnell gepackt, der Driver vollzieht seine Metamorphose, indem er den Tauchanzug noch vor dem Frühstück anzieht. Sieht so aus, als könne er es kaum erwarten. Da ich nicht in Tauchsachen frühstücken mag, ziehe ich normale Sachen an. Dann Frühstück. Wir sind zu früh und daher die Einzigen. Ich genieße es immer, nicht mit anderen Leuten in fremden Sprachen sprechen zu müssen. Ich mag ja nicht einmal in meiner Sprache sinnfreie Gespräche. Wo die Leute herkommen, höre ich auch so, die Urlaubserlebnisse sind irgendwie alle ähnlich. Am Ende des Urlaubs brauche ich auch keine Tipps, was ich alles verpassen werde. Mein Diver hält sich ja vornehm zurück, in Ermangelung von smalltalkfähigen Fremdsprachenkenntnissen. Ist eigentlich auch ganz praktisch.
Während des Frühstücks Teil I – Kaffee und Handycheck – werden wir geholt, um die Leihausrüstung zu probieren. In dem unscheinbaren Wellblechschuppen lagert eine Menge gute Ausrüstung, da hatte ich nicht mit gerechnet. Dann folgt Frühstück Teil II. Nahrungsaufnahme. Hier gibt es immer eine Obstplatte, heute Mango, Melone, Ananas, Kiwi, Banane. Alles geschält und kleingeschnitten. Dann Gallo Pinto – Bohnen mit Reis, etwas gewürzt. Rührei, Speck und Wurst, Brot, Aufschnitt. Kaffee, der Beste, den ich je getrunken hab. Wenigstens ein Land, dass seine guten Sachen auch selbst verwendet und nicht so arm ist, dass es diese verkaufen muss.
Nachdem ich mich auch noch schnell in eine Taucherin verwandelt habe (in den Anzug quetschen, Pillen gegen Seekrankheit einwerfen, noch ein Blick in den Spiegel) warten wir auf den Abmarsch und werden von Ivan abgeholt. Zu Fuß zum Boot, durch die Brandung und reinhüpfen, los geht es. Das komplette Equipment ist schon fertig zusammengeschraubt. Das gefällt mir. Ivan hält eine kleine Rede, die alles enthält, was Taucher so wissen muss. Dann düsen wir mit 250 PS los. Ziel ist ein Marinepark um die titelgebende Insel. Nach etwa einer Stunde landen wir am milchkaffeebraunen Strand. Das Briefing findet mit Stöckchen im Sand statt. Ivan meldet uns dem zuständigen Beamten an – sehr deutsch das alles – und dann dürfen wir zum Tauchen. Wir lassen uns rückwärts über die Bordwand kippen und treffen uns vorn an der Boje. Ivan schickt alle gleich nach unten. Ich (habe ein fremdes Jacket an) verwechsele die Knöpfe für Luft rein und Luft raus. Pfffffft. Michelinmännchen. Ivan lacht sich eins. Ich würde gern vor Scham im Meer versinken, geht aber nicht…. Sehr schnell lasse ich die Luft raus, hat nur Ivan gesehen. Peinlich. Der Tauchgang fängt merkwürdig an, der Guide ignoriert einen Hai, der direkt da unten schläft. Können wir auch ohne ihn ansehen und ablichten. Wir hängen uns hinter die Gruppe. Es geht auf Sandgrund um wenig bewachsene Steine herum, die Sicht ist schlecht – wie im Baggersee. Naja. Dann tauchen Schwärme von Snappern auf. Die sind so ruhig, dass man mitten durch sie durch tauchen kann. Fast muss man sie wegschieben. Irre. Kennen wir so nur vom Rebreather tauchen (da macht man keine Blasen, die die Fische vertreiben). Tauchgang gerettet.
Die Pause verbringen wir mit etwa 100 anderen Personen am Strand. Es ist fast so, als wenn die Ticos alle Gäste der Region hier hin geschafft haben. Aber der Strand ist interessant. Überall krabbeln Einsiedlerkrebse aller Größen, leider gelingt keines der Fotos mit der wasserdichten Minikamera. Auch diese Tiere können extrem schnell sein. Der zweite Tauchgang ist etwas für den Diver. Blau, Strömung, Felsblöcke. Ich kämpfe die ganze Zeit gegen irgendetwas. Kalt, warm im Wechsel, dadurch ist die Sicht in Schlieren, die Strömung geht mir auf den Geist und ständig piept mein blöder Rechner. Das Dauerpiepen nervt mich, es liegt nicht in meiner Macht, es zu unterbinden, da die Dünung mich hoch und runterhebt. Das Rauf und Runter mag der Rechner nicht und piept ‚zu schneller Aufstieg‘. Ich muss es ertragen, der Diver hört nichts und versteht nicht, warum ich meinen Rechner haue und erschieße. Sicher lustig anzusehen….
Das Boot bringt uns heil und pünktlich zum Mittagessen zurück. Den Rest des Tages vergammeln wir am Pool und in der Hängematte. Ich fange an, doppelt so schnell zu genießen. Wir haben ja nicht mehr lang.

Einsteigen fertig

Weissspitzen Riffhai (non biting, wie ein Ami sagte)

Schöne Schwärme

Aussteigen zur Pause

Pausenstrand

Corcovado Nationalpark

Es ist noch dunkel, der Wecker klingelt. 5 Uhr. So früh aufstehen ist nichts für uns, alles wird schweigend geregelt. Erst nach 2-3 Kaffee wird es kommunikativer. Langsam wird es hell, mein Geist erwacht auch. Eine tolle Morgenstimmung liegt über dem Meer. Ganz sanftes Licht. Allein dafür lohnt schon das frühe Aufstehen. Um 6 Uhr ist Treffen und Abmarsch. Dieser gestaltet sich nicht soo lang, nur bis an den Strand, wo wir in ein Boot steigen – wieder Schuhe aus, Hose hochkrempeln, niedrige Welle abpassen und draufhüpfen. Dann holen wir noch die 6 schnatternden Franzosen ab, was für ein Zufall. Das Boot bringt uns zum Corcovado Nationalpark auf der Osa Halbinsel. Feuchtregenwald mit allen seinen Bewohnern steht auf dem Wunschzettel. Dort werden wir am Strand abgesetzt zusammen mit einigen Kühlboxen und José, unserem Führer. Die Boxen werden an der Ranger Station abgestellt, hier werden wir uns später stärken. Jetzt sollen wir die Schuhe wieder anziehen. Lustiges Unternehmen, die Füße nass und voller dunklem Sand. José hat’s einfacher, er ist in Gummistiefeln unterwegs. Die an-aus-an-aus Geschichte amüsiert ihn glaub ich etwas. Aber ich bin nicht bereit, hier mit Gummistiefeln einzureisen! Eine Form von wanderfähigen Wasserschuhen wäre sicher das Optimum. Haben wir nicht. Also an-aus spielen. Wir wandern auf verschiedenen Wegen durch den Regenwald. José sucht mit seinem Monookular auf Stativ nach Tieren, wir dürfen dann auch mal durchsehen. Und dann zückt er sein Handy und macht durchs Fernglas Fotos. Das ist einmal eine andere Form von Teleobjektiv! Es ist heiß, sehr hohe Luftfeuchtigkeit wir klettern wie die Bergziegen durch den Dschungel und sehr schnell sind wir gar gekocht. Gut, dass wir Trinkwasser dabei haben. Die Jagd nach guten Bildern ist auch nicht ohne. Ständig hat man das falsche Objektiv drauf. Irgendwann bleibe ich beim großen Tele, den Rest kann der Driver mit dem Handy machen. Als ich das erstmal über Pause nachdenke, ist es erst 10 Uhr. Wir lernen den Unterschied zwischen Nebelwald und feuchtem Regenwald. Und sehen wirklich viele Tiere. Nebenbei auch alle Grüntöne, die man sich vorstellen kann. Riesige Bäume, die man unmöglich auf einem Foto irgendwie dargestellt bekommt. Wir gehen am Strand zurück Richtung Rangerstation und verfolgen dabei einen roten Ara, der in den Strandbäumen Früchte knackt. Das blöde Vieh fliegt immer weg, wenn man nah rangekommen ist. Dann sind Blätter im Weg, ich hab nur die Schwanzfedern drauf, unscharf und so weiter. Aber er entkommt mir nicht!
Nach zwei Touren gibt es etwas Obst und Wasser, dann brechen wir noch zu einem Wasserfall auf. Faultier und Krokodil unterwegs. Das Schuhe an-aus-Spiel erspart uns Gummistiefel-Joe diesmal, indem er das Geländer an einem Baum über den Bach ersetzt. Ich fürchte um die Kamera, aber alles geht gut. Die Tour endet an einem schönen Wasserfall. Ein Reiher steht fotogen auf einem Felsen und genießt ganz offensichtlich die kühle Brise, die der Wasserfall erzeugt. Für heute waren es echt mehr Eindrücke, als man so verarbeiten kann. Gut, dass es Fotos gibt, da kann man dann noch nachgenießen.
Das Mittagessen wird dann an der Station eingenommen, jetzt ziehen wir die Schuhe freiwillig aus, für die Rücktour ist das ja sowieso nötig. Zum Nachtisch gibts dann noch Brüllaffen und Klammeraffen. Was für ein Tag!

Strand

Wehrhafte Palme

Fledermaus

Hab Dich!

Klammeraffenbaby

Kletterpartie

Wurzelwerk

Pirate cove

Early morning Kaffee auf der Terrasse mit Meerblick. Viel Zeit bis zum Frühstück und zum Ausblick genießen. Die Ruhe wird von 6 schnatternden Franzosen etwas getrübt, ich versuche, sie auszublenden. Beim Frühstück sitzen wir mit drei Deutschen am Tisch. Wir tauschen Reiseinfos. Sie müssen zurück nach Haus, wir streben nach Süden. Da wir nur eine Stunde Fahrtzeit haben, trödeln wir noch etwas herum bis wir aufbrechen. Ist doch zu schön hier. Das Navi streikt schon wieder, aber wir finden den Weg auch so, einfach nach Süden. Dann über die Brücke und nach Sierpe. Vorher holen wir noch etwas Bargeld, wäre peinlich, wenn wir im Nirgendwo nicht zahlen könnten. Die beiden deutschen Gastgeber wollten auch nur Bares. Zum Glück haben sie unsere Euros akzeptiert. Der Geldautomat bietet Colones und Dollares an! Ich bin erstaunt. Die Brücke, über die wir fahren ist Teil der Panamerikana. Das ist eine Straße, die vom nördlichsten Punkt Amerikas bis zum südlichsten geht. Diese befahren viele Leute, die irgendwie nichts zu tun haben. Hört man hier den Neid heraus…..?
In Sierpe angekommen parken wir das Auto auf einem bewachten Parkplatz und steigen mit dem kompletten Gepäck in ein Boot um. Axel, der Wirt von der Finca Bavaria gab uns den Tipp, uns ganz nach hinten zu setzen, da schlägt das Boot nicht so stark. Mit 600 PS brausen wir den Rio Sierpe runter bis ins Meer, dann nach Süden bis zur Drake Bay. Ja, sie hat den Namen von Sir Francis Drake. Der hat hier auch schon einmal Urlaub gemacht. Dort werden wir am Strand abgesetzt. Also: Schuhe ausziehen und um den Hals hängen, Hose hochkrempeln und aus dem Boot klettern. Im Wasser steht eine nette Senora und heißt uns herzlichen Willkommen. Die Koffer werden vom Personal übernommen, man muss nur schauen, dass alles dabei ist. Das war echt schön und mal was ganz Anderes. Wir beziehn eine kleine Hütte mit Strandblick. Als Verpflegung gibt es hier Vollpension, da es keine Restaurants in der Nähe gibt. Wenn man ein Getränk bestellt, macht man zum Schluss einfach einen Strich in einer Liste. Fertig. Wir haben zwei Hängematten auf unserer Terrasse, im Schatten über dem Meer. Hier kann man bei tollem Ausblick und Meeresrauschen die Seele und dazu noch den Körper baumeln lassen.
Die Essenszeiten sind hier festgelegt. Pünktlich um 18 Uhr erscheinen wir zwei zum Essen. Die Tische sind für ‚Paxe’ reserviert. Das kenne ich irgendwo her….. (siehe flohblog.worpress.com Grönland). Wir lassen uns nieder. Neben uns ist für Paxe Hiller reserviert. Amis. Ich werde freundlich gefragt, ob wir denn englisch sprechen. Ja. Ich frage freundlich zurück, ob sie denn auch Deutsch sprechen? Sorry. No. Oh, what a pitty! Ich kann mir nicht verkneifen, die Getränke für uns in spanisch zu bestellen, während nebenan alles in englisch abläuft…

Boote in Sierpe, Rio Sierpe

Warnschild

Aussteigen

Unsere Hütte

Der Ausblick

Sonnenuntergang