Playa Minas

6 Uhr früh. Irgendjemand testet versehentlich seine Alarmanlage am Auto. Offensichtlich weiß er nicht so genau, wie man die wieder abstellt. Es ist tatsächlich schon hell draußen, aber nur so lange, bis ich die Augen wieder schließe und mich noch mal rumdrehe. Ach, ist das schön. Später, im Bad grüßt mich ein Iguana von der Mauer. Es ist geduldig (oder müde?) genug bis ich die Kamera geholt habe, das Weitwinkel gegen das Teleobjektiv getauscht, das Klo erklommen und den passenden Ausschnitt gefunden habe. Knips. Dann reicht‘s ihm und es haut ab. Dankeschön! Wie gut, dass es kein Kolibri war….
Die Freizeitangebote in der Umgebung haben uns nicht zu einer gezielten Auswahl gelangen lassen. So wird auch dieser Tag ruhig und ohne große Action verbracht. Glücklicherweise gibt es hier genug Strände, die Wahl fällt auf Playa Mina. Gute Wahl: sanft fällt der Strand ab, sodass die anrollenden Wellen viel Platz zum Auslaufen haben. Dabei tilgen sie alle Spuren in ihrem Hoheitsgebiet, der überspülte Sand glänzt. Hier ist nicht viel los, ein paar Pärchen sind nur hier, man hat genug Privatsphäre. Am Südende sind Klippen und Höhlen, das wollen wir uns ansehen. Der Driver klettert gleich in den Felsen rum, ich versuche mich im Krabbenknipsen. Stielaugen sind aber nicht so fotogen. Grinsend taucht der Mann ab und zu zwischen den Felsen auf und macht Meldung: hier piepst irgendwas, Fledermäuse – Mist! Komme nicht weiter in die Höhle – oh, jetzt bin ich nass geworden – der Akku der GoPro ist leer! Der Spieltrieb kennt keine Grenzen.
Als er zurückkehrt, grinst er noch immer und zeigt auf einen 20cm Riss im Schritt der nächsten Hose. Jetzt muss ich sicher eine meiner Hosen abgeben. Wer sich jetzt fragt, ob das realistisch ist: ja, ist es. Die passen ihm auch. Wir laufen zum anderen Ende des Strandes. Hier sind bunte Felsen, ich setze mich dekorativ drauf, der Driver geht baden. In der kaputten Shorts, die Badehose hat er vorher ausgezogen. Denn es ist bedeckt und windig. Trocknen wird schwierig und kühl. Ich genieße den Ausblick. Sowohl in den Schritt meines Gatten, als auch den in die Wellen. Spaß hat er, tobt in den Wellen rum. Leider ohne mich, ich würde erfrieren. Umkleiden ist nicht so schwer, kein Mensch in der Nähe. Wir gehen am Waldrand zurück. Plötzlich ein Brüllen. Ähnlich wie Hundegebell, aber länger. Brüllaffen! Vielleicht sehen wir sie ja diesesmal! Und ja, ich entdecke mehrere dunkle Geschöpfe in den Baumkronen. Das Tele muss her, hektisches rumgeschraube – das üben wir aber nochmal. Die doofen Äste und Blätter sind immer im Weg, wir knipsen und suchen und der Respekt für Naturfotografen steigt weiter…. Zwei Argentinier gesellen sich zu mir, wir beobachten eher den Primaten am Boden, der Barfuß durch den Wald kraxelt und versucht, Affen auf Karte zu bannen. Der Argentinier leiht ihm seine Flipflops, unsere sind im Auto geblieben. Angst vor Dornen, Schlangen oder anderem Unbill hat der Mann nicht.
Ich finde, es ist Zeit zum entspannen. Die Tücher ausgebreitet und bequem gemacht. Schön! Ich genieße es, dem Driver wird so ohne Action langweilig. Da hat er Aber Glück, es zieht sich weiter zu, es fängt an zu tröpfeln. Hier ist das nicht gut. Meist endet harmloses Tröpfeln in irrem Geprassel. Wir suchen das Weite. Schade. Der Pazifik mag mich nicht.
Wieder wird der Tag im Hotel, am Pool und entspannt enden. Morgen ist wieder Reisetag.

Meine zwei Reisebegleiter

Playa Minas

Bunte Felsen…. und so

Brüllaffe

Brettwurzel

Pura Vida! – das sagen die Ticos zu Allem. Ich finde, dieses Bild drückt es gut aus:

Melonen vom Pickup:

Grün in grün

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Piratenbucht

Die Baustelle vor der Tür weckt mich pünktlich um 7 Uhr. Irgendwer klärt vor unserem Fenster die Einzelheiten seines Ausfluges. Macht mir nichts, kann ich gemütlich noch was lesen. Der Driver schläft selig weiter. Irgendwann ist er auch so weit und es zieht uns doch zum Frühstück. Ich bestelle fleißig drauflos und – obwohl nur bestimmte Frühstücke incluido sind, müssen wir nichts zahlen. Unlogisch, aber wahr. Der Driver meint, mit mir wird er nie reich,bin zu ehrlich.
Für heute wünsche ich mir Entspannung. Wir suchen uns die Piratenbucht aus. Sie soll ein Geheimtipp sein. Das Navi führt uns. Zuerst entscheidet es sich für einen Schleichweg. Unbefestigt, wie ganz viele Nebenstraßen hier. Wir holpern langsam an vielen Häuschen vorbei. Hier wohnt jeder in einem Einfamilienhaus mit Grundstück. Reihenhäuser und Wohnblöcke hab ich hier noch nicht gesehen. Die Straße führt durch ein Flüsschen. Ich weiß, dass der Mann links von mir jetzt Spaß hat. Immerhin haben wir ja einen 4×4 gemietet. Das muss man ausnutzen. Allrad rein und juhuu! Über diverse Strässchen und Straßen führt es uns zum Ozean meiner Träume. Immer wieder wurde ich gehindert, auch mal reinzuhüpfen. Heute entkommt er mir nicht! Der empfohlene Strand ist sehr schön, wir schlendern erstmal am Wasser entlang bis zum Ende. Hier geht er in Steine über. Den Driver hält nichts auf. Mich und meine Knie eine Menge. Ich lege mich in den Schatten und schaue. Mal auf den Ozean, mal auf die Pelikane, die in der Brandung jagen und manchmal schaue ich, ob mein Mann noch lebt. Mal kann man ihn sehen, mal nicht. Er wird sich schon nichts antun. Irgendwann steht er strahlend wieder vor mir. Hose zerrissen. Der Arme. So viele Hosen hat er nicht mit. Ich biete meine Garderobe an. Sieht sicher lustig aus, im Kleid.
Wir springen in die Wellen. Schön toben kann man hier. Erinnert mich an meine Kindheit in Frankreich. Da haben wir den ganzen Tag am Strand verbracht – ohne Schatten. Da gab es die Angst vor Hautkrebs irgendwie noch nicht. Der Vormittag ist schnell um.
Für den Nachmittag ist nur ein Marsch durchs Örtchen geplant. Leider lohnt sich hier der Bericht nicht. Entgegen unseren bisherigen Beobachtungen hat dieser Ort hier noch viel Potential… So entspannen wir den Rest vom Tag am Pool.

Allradtest

Piratenbucht

Schatten hat’s auch

Iguana

Unser Hotelchen

Einfach kann jeder

Es prasselt aufs Dach. Kräftig. Immer wieder, die ganze Nacht. Wir haben heute Blechdach, die kleinen Tropfen prasseln laut, die größeren machen laut „pong“. Tolles Konzert, das leider auch am Morgen nicht aufhört. Ich gehe mich in der schönen Aussendusche erfrischen. Diese ist Überdacht – damit ich nicht nassregne…
Beim Frühstück sitzt schon eine deutsche Reisegruppe, wir haben also Zeit, bis wir dran sind. Wie wird heute das Wetter, was tun wir? Ich meine, es regnet den ganzen Tag, der Driver findet eine Regenradarkarte, auf der den ganzen Tag Wolken über dem Tenorio, unserem Hausvulkan schweben und meint, es wird trocken! Gleich zum nächsten Hotel zu fahren, macht keinen Sinn, also werden wir in den Nationalpark fahren und zum Catarata de Tenorio laufen. Catarata ist ein Wasserfall. Dieser ist berühmt, weil er schön und das Wasser milchig ist.
Unser WiFi Handy hat keine Verbindung, wir finden so hin. Man braucht nämlich wenigstens am Start ein Netz, damit die App weiß, was sie machen soll. Auch mal interessant.
Da wir um die Ecke genächtigt haben, sind wir quasi die Ersten am Start. Man bietet uns Gummistiefel an, wir lehnen ab, mir schwant nichts Gutes. Wir stapfen mit Wanderstiefeln los. Ein Betonpfad windet sich durch den Wald. Ich weiß, dass wird nicht so bleiben. Ein Bach fließt über den Weg, wir hüpfen munter drüber. Der Weg windet sich weiter, es geht bergan. Dann folgt ein Kiesweg. Ich nenne ihn Stufe 2. Er wird steiniger, der Weg. Die Steine werden größer, später seltener. Weiter Bergauf. Ich werfe die erste Jacke von mir, den bisher nicht erwähnten Regenschirm halte ich tapfer gegen den Regen. Steht der Arbeitgeber vom Driver drauf, ich muss ja trotzig Werbung machen. Denn ich bin die Einzige mit Regenschirm. Ist mir egal. Der Weg wird nun von Sandsäcken gestützt. Ab und zu so etwas wie Rasengittersteine. Jetzt wird der Weg richtig schlecht. Matschkuhlen nehmen jetzt immer mehr zu. Wir sind bei Phase 4. Ab hier machen Gummistiefel echt Sinn, aber ich kann nicht 10 km in fremden Gummistiefeln laufen. Also weiter Steine-hopping. Das gelingt nicht immer, der Weg ist echt anstrengend. Wir haben aber den Anspruch, da sauber drüberzukommen. Wir eiern über Wurzeln, Bretter, Steine, alles, was hilft, nicht im Matsch zu versinken. Gute Gleichgewichtsübung. Die Kollegen mit Gummistiefeln latschen mittig durch. Ich motze. Der Driver meint nur „einfach kann jeder“. Recht hat er. Es rauscht immer stärker, wir nähern uns dem Catarata. Tausend gefühlte Treppenstufen machen meine erklommene Höhe wieder zunichte. Schöner Anblick. Und: wir sind fast die Ersten hier. Gute Bilder ohne tausend im-Weg-Steher. Dann die doofe Treppe wieder hoch. Ich will nicht noch höher, der Driver ist unbarmherzig: nur 750 Meter! Ich motze wieder. Sicher im Höhenunterschied. Er nimmt mir die Kameratasche ab und zirkelt weiter um die Matschstellen rum. Ich folge, brav, wie ich bin. Es lohnt sich. Wir kommen zu einem milchigen See. Blasen steigen auf, es riecht nach Schwefel. Ach ja! Vulkannähe! Der arme Driver – Nasenbär riecht nur wenig. Aber, er riecht wieder. Es geht noch immer weiter. Ich hab keine Lust, nachzuschlagen, warum. Hängebrücke für eine Person, dann: End of Thea Trail! End of Matsch und Bäh. Hier fließen zwei klare Flüsse zusammen und das Wasser wird milchig. Ein netter Mensch hat es auf einer Tafel erklärt: durch unterschiedliche PH- Werte werden Aluminiumsilikate viel größer als vorher (ich vermute, sie Flocken aus?), diese färben das Wasser. Glaube ich so übersetzt zu haben. Wir drehen um und eiern wieder über Stock und Stein, um Pfützen und Matschipuh zu vermeiden. Unsere deutsche Reisegruppe begegnet uns. Kaum einer erkennt uns. Alle grüßen in Spanisch. Als ich freundlich in deutsch grüsse, bleibt der Reiseführer stehen. Wir plaudern kurz. Er fragt, wie wir es geschafft haben, so saubere Schuhe zu behalten! Yeah! Das macht mich stolz. Der Rest des Weges wird immer abenteuerlicher. Die Massen an Leuten, die uns entgegenkommen, haben den Matsch nochmal ordentlich durchgequirlt, alles versinkt im Matsch. Viele haben Sachen an, über die man sich nur wundern kann. Ein Mädel läuft barfuß! Egal, wir sind relativ sauber durch. In einem Bächlein reinigen wir die Schuhe – alles wie Neu! Ach ja, der Regen hat auch aufgehört. Wir programmieren unser Waze auf Pazifik und düsen los. Endlich Beine ausstrecken und Landschaft vorbeisausen lassen. Der Driver ist eh der Beste!

Catarata

Matschweg

Blauer See

Oben rechts und links fließen zwei Flüsse zusammen, das Ergebnis ist milchig, rechts unten

Weg vom Vulkan Tenorio

Hin zum Pazifik

Cueva Venado

Es schüttet. Der Regen prasselt so aufs Dach, dass wir davon wach werden. Die Luft ist so feucht, dass nichts richtig trocknet, wenn es einmal Wasser gesehen hat. Der Fußboden ist gefliest und verwandelt sich nur durch die Luftfeuchtigkeit in eine Rutschbahn.
Immer wieder gehen Schauer nieder, so auch beim Frühstück. Ich bin froh, dass heute Reisetag ist und nicht Außenaktivitäten anstehen. Wir überlegen, ob wir doch noch einen Zwischenstopp machen sollen. Auf dem Weg liegt eine Höhle. Der Routenplaner sagt, dass es nur ein kleiner Umweg ist. Dann machen wir das so. Das Navi zeigt für 25km 50 Minuten Fahrtzeit an! Durch eine wunderschöne hügelige Landschaft führt ein Mini Sträßchen Hügel rauf, Hügel runter. Zum Teil so steil, dass der Driver nur im ersten Gang fahren kann. Teilweise nur geschottert. So kann er endlich den Allradantrieb ausprobieren. Wir fahren an vielen Fincas vorbei. Hier überwiegt Viehzucht. Wo es flacher ist, werden Ananas angebaut. Hunde dösen auf der Straße, ein Mädchen mit Kulleraugen steht im Schlafanzug am Rand. Ab und zu ein Moped – Crosser haben hier echte Vorteile. Das Wetter mag nicht aufklaren.
Wir erreichen einen Parkplatz, einige Ticos – so nennen sich hier die Einheimischen – machen sich mit Helmen und Gummistiefeln bereit. Wir dürfen noch dazustoßen, aber schnell. Da wir vorher recherchiert haben, ziehen wir uns lieber noch um. Es wird nass und matschig werden. In der Umkleide fällt mir auf, dass ich kein Handtuch und keine Wechselunterwäsche hab. Muss es halt ohne gehen. Draußen erhalten wir einen Helm mit Lampe und kurze Gummistiefel. Dann steigen wir hinab zu einem Bach. Durch das steinige Bachbett erreichen wir den Höhleneingang. Kurze Einweisung – nicht in das Fledermausguano greifen, kein Wasser trinken, los gehts. Wir klettern über einen fetten Block, dann zeigt uns Victorio die erste Spinne von etwa 8cm Durchmesser. Er erwartet wohl Gekreische, da ist er bei mir an der falschen Adresse. Wir kraxeln weiter durch das Bachbett. Über dicke und dünne Steine, tiefere oder seichtere Stellen. Alles nur von unseren Helmlampen erleuchtet. In einer Ecke deutet Victorio auf ein Loch am Boden ca 45cm Durchmesser, kein Ende zu sehen. Er meint, da können wir durch, müssen aber nicht. Ich lehne sofort kategorisch ab. Der Driver schaut skeptisch. Die Anderen diskutieren auf Spanisch, leider zu schnell, um es zu verstehen. Victorio geht als Erster, das hat er ja schon 1000 Mal gemacht, schwupps weg ist der kleine Mann. Der Nächste kriecht, die Füsse voran in das Loch, Foto, weg ist er. Der Driver sagt, dass wenn dieser Herr durchpasste, er auch geht. Hm. Ständ ich allein dumm vor dem Loch rum. Also überwinde ich mich, auch durchzukriechen. Die Engstelle ist kürzer, als sie aussah, gleich dahinter steht Victorio und hilft mir, eine 7 Meter hohe Wand zu erklimmen. Es geht enge Gänge entlang wieder zum Startpunkt vor dem Loch. Wir laufen weiter im Bach tiefer in die Höhle rein. Dann zweigt ein Gänglein ab, das nicht sehr hoch ist, aus dem aber 20cm hoch Wasser strömt. Also, auf die Knie, ins Wasser und durch. Verschieden hohe Gänge bringen uns kurvenreich in eine große Höhle. Wunderschöne Sinterterrassen werden von lansamfließendem Wasser überspült. Die Tico-Gruppe nimmt Platz – jetzt ist also auch das Hinterteil nass – und wird abgelichtet. Wir dürfen extra. Wieder geht es durch einen mini Kriechgang, dieses Mal ist Lehm die Unterlage in eine Höhle mit Wasserfall. Ich wasche mal den Matsch von den Händen und staune. Victorio geht vor, durch den Wasserfall, schwupps – verschwunden. Also hinterher. Nun sind Schultern und Rücken auch eingeweicht. Die Stiefel laufen auch immer wieder voll. Wir testen verschiedene gymnastische Übungen, um das Wasser aus den Stiefeln zu bekommen. Ich gewinne die Bein-nach-vorn-hoch competition. Eine andere Variante ist, die Fußspitze des nach hinten angewinkelten Beines zu greifen, damit das Wasser rausläuft. Funktioniert bei mir nicht – die Wade macht den Ausgang dicht. Wir lachen viel, nette Menschen, die Ticos. Matschig, nass vom Wasser und Schweiß und gut gelaunt erobern wir das Tageslicht zurück.
Tolle Exkursion. Ich stelle fest, dass ich mich doch mehr traue, als gedacht. Es gibt Umkleiden und wir stellen so den Ausgangszustand mehr oder weniger wieder her. Eine kurze Fahrt zur nächsten Unterkunft und der Rest des Tages verläuft ohne weitere Action.
Wir haben heute Nummer 11, die Suite. Sehr schöne Aussendusche, Whirlpool, Teakböden und sehr stilvoll mit Wurzelholz dekoriert. Es könnte uns schlechter gehen.

Das erste Loch

Kriechtunnel

Wasserfall

Sinterterrassen

Wieder am Tageslicht

Adrenalin brauch ich nicht!

Ich muss mich mental auf die Zipplines (Erklärung im gestrigen Post) vorbereiten. Der Driver findet das auch und sucht nach Videos im Internet. Freudestrahlend bekomme ich alle Strecken präsentiert, die ich meistern muss. Eine saust oberhalb eines ansehnlichen Wasserfalles vorbei – ansehnlich weil das Wasser über 60 Meter in die Tiefe stürzt.
Jetzt muss ich mich noch mehr mental vorbereiten. Mit zunehmendem Alter werde ich immer – sagen wir mal – Vorsichtiger. Der Driver bevorzugt das Gegenteil. Das passt nicht immer gut zusammen. Meine Zurückhaltung nützt mir aber jetzt nichts, da ich versprochen habe, es zu tun. Versprechen sind mir wichtig, also muss ich da jetzt durch. Ich bin auch brav zur Rezeption gegangen und habe das Unvermeidliche gebucht. Um 10.20 Uhr sollen wir vor dem Hotel warten. Wir sind noch mit der optimalen Ausstattung für die Tour beschäftigt und diskutieren nebenbei, ob die Schraube im Reifen jetzt schlimm ist, oder schon länger da weilt, da ruft die Rezeption an, wo wir bleiben. WIR sind nicht zu spät, DIE sind überpünktlich. Mist. Jetzt muss ich da durch. Im Auto lauter sportliche junge Männer. Ich bin locker die Älteste und die einzige Frau. Wieder Mist! Keine Gnade zu erwarten. Wir sind fix da und werden mit Helm, Handschuh, Bremshandschuh und doppeltem Klettergeschirr ausgestattet. Dann kann ja nix schief gehen…. Es gibt eine Einweisung, wie es geht, was gefährlich ist und man deshalb besser lassen sollte. Ich höre sehr genau zu. Ein Trekker mit Busanhänger bringt uns den Berg hoch. Wir werden vorbereitend ordentlich durchgeschüttelt. Das letzte Stück geht zu Fuß. Dann klettern wir auf einen Metallrurm mit Plattform. Ich schwitze. Nicht, weil es warm ist, oder das Klettern mich wärmt. Oben hat man eine tolle Sicht auf den Arenal Vulkan. Und auf das erste Stahlseil. Weiche Knie kommen dazu. Der erste Guide klinkt sich ein und ist huiiiiiii verschwunden. Als nächster der Fotograf (50 Dollares kostet der Spaß einiger schöner Bilder). Irgendwie steh ich jetzt in der ersten Reihe! Schluck!!! Gnadenlos werde ich am Seil eingehakt und bekomme mein Kommando. Zu spääääät. Ich sause in die Tiefe und niemand rettet mich. Ich werde immer schneller, aber das ist ok. Die Tiefe ist auch ok, ich hänge ja an drei Seilen. Ich glaub, mein Hirn hat es dem Herz nähergebracht, nicht weiter runterzurutschen. Nein, es macht sogar Spaß! Ankommen und Bremsen klappt auch! Ich bin bereit für das längste Seil der Tour. Fast einen Kilometer lang. Der Trick mit dem Vorne stehen ist gut, einfach nicht zu viel nachdenken. Ich werde mit einem der Guides zusammen eingeklinkt, ich hab nix dagegen, nette Begleitung ist immer gut. Er dreht mich so, dass ich den Wasserfall links unten sehen kann. Jetzt kann ich die Sause echt genießen! Wir fliegen über den Wasserfall, Palmen, Bäume. Der Abgrund ist mir egal. Klasse! Nächste Leine bitte! Der Driver kommt nach mir, ich zücke das Handy – Entschuldigung, Kamera mitnehmen verboten – und möchte seine Ankunft festhalten. Leider ist er zu langsam und muss sich die letzten Meter hochziehen. Kein gutes Motiv. Egal. Eine riesen Sause. Ich bin froh, dass ich mich getraut habe. Jetzt, wo ich Spass dran habe, ist es viel zu schnell vorbei. Schade. Aber wir haben hier noch mehrere Ziele, an denen es Zipplines gibt.
Zurück im Hotel kümmert sich der Driver um das liegengebliebene Problem: die Schraube im Reifen. Wir haben beschlossen, den Reifen zu wechseln. Das löst er schnell und wie ein Profi – guter Mann!

Ich werde angeschirrt

Fertig

Hier schon fast Routine

Der Driver

Reifenprobleme

La Fortuna

Mir ist kalt, draußen tröpfelt es durch die Bäume, es ist Nebelig. Ein Blick auf die Uhr: 5 Uhr – ich kann nicht mehr schlafen. Der Driver ist auch wach. Wir machen uns Kaffee und suchen die Bäume nach der Quelle des Krachs ab. Ich vermute Aras, kann aber nichts finden. Fehlt noch eine Ausbildung zum Naturguide. DER hätte uns sicher gezeigt, wer da so schnattert und flattert. Um 7 sind wir bereit zum Frühstück, wir sind nicht die Ersten.
Ein Amerikaner sitzt mit Mega Tele auf Stativ in der ersten Reihe und schießt auf Vögel. Schöne, bunte Motive, alle Farben vertreten. Die Lodge hat Stangen vor der Terrasse postiert, auf denen Obst hängt. Das lockt die Vögel an, man kann in Ruhe sein Motiv wählen.
Beim Auschecken erfahren wir, dass an einer Brücke repariert wird, die auf unserem Weg liegt. Dass sie erst um 10.30 Uhr passierbar ist. War nix mit zeitig wegkommen. Wir suchen uns ein schattiges Plätzchen am See und genießen noch die Umgebung.
Dann gehen wir langsam zum Bootssteg, um über den Rio San Carlos gesetzt zu werden – das Auto steht auf der anderen Seite. Zurück auf der staubigen Schotterpiste und rüber nach La Fortuna. Die Strecke ist kurz, wir wären viel zu früh im Hotel. Daher entscheiden wir uns für eine Hängebrückentour. Dank Internet im Auto und Navi finden wir allein hin. Es handelt sich um einen Rundweg durch den Dschungel, man überwindet Schluchten von bis zu 50 Meter Tiefe. Die Brücken hängen an Stahlseilen, auf denen Metallstege liegen. Wenn man kräftig ausschreitet, wackelt es entsprechend. Ist für mich – zum warm werden, denn für morgen geht es auf die Zipplines (am Drahtseil angehängt über Schluchten und Bäume sausen) Ich hab’s versprochen, weil ich in Mexico gekniffen hab. Aus der Nummer komm ich jetzt nicht mehr raus.
Die erste Brücke ist echt eine Herausforderung. Ich geh tapfer darauf. Es wackelt ordentlich, das blöde Geländer reicht nicht bis zum Boden. Durch diese Lücke könnte ich doch glatt stürzen … ( sie ist 10 cm breit). Zudem werde ich vom Driver gefilmt. Ich eiere tapfer drüber. Das Video muss ich heute Nacht heimlich löschen. Am Ende schaukele ich doch etwas mit – noch 1 Meter Höhenunterschied! Mit jeder Brücke wird es aber einfacher. Hoffentlich ist das morgen auch so. Dass es Spaß macht. Ich werde die ganze Nacht nicht schlafen. Und ich werde berichten, falls ich noch lebe.

Ein Vögelchen von ca 800 Arten:

Vulkan Arenal

Die Erste ist die Schwerste

Von unten, halbe Höhe

Grüne Hölle

Rio San Carlos, Nicaragua und Dschungel

Es ist stockdunkel, als wir gegen 20 Uhr Richtung Baumhaus schlendern. Aus diesem Grund hat der Driver seine Taschenlampe gezückt und strahlt den ganzen Urwald im Umkreis von einem Kilometer aus. Mein Lämpchen ist etwas bescheidener, es illuminiert den Boden vor mir – reicht auch. Die ganzen Leoparden und so will ich eh nicht sehen. Dann schalten wir irgendwo in der grünen Hölle die Lichter aus – absolute totale fatale schwarze Dunkelheit. Einen Meter von uns ist ein Steg, der Driver versucht, ihn zu treffen. Ich weigere mich, ohne Licht weiterzugehen. Der Sternenhimmel ist der Oberhammer. Mein Bruder F* würde nun aus dem Hemd springen, die Kamera nebst Stativ zücken und die ganze Pracht unwiderruflich und wunderschön auf Foto bannen (auf Flohblog.wordpress.com findet ihr den Beweis) Bei mir reicht es nur für die innere Festplatte. Auch ok. Die Geräuschkulisse ist tropisch zirpend, Vögel hört man kaum noch. Auch nicht wirklich etwas anderes.
Wir klettern ins Baumhaus und lassen uns auf der Privatveranda nieder. Vor dem unglaublichen Sternenhimmel steht ein Urwaldriese, der sich schwarz gegen den Himmel abhebt – unglaublich, unvergesslich. Der Driver ist immer noch schlimm erkältet, er tut mir echt leid. Daher taufe ich ihn um in Nasenbär. Nasenbär kann nicht mehr, wir gehen schlafen. Unser Haus ist eigentlich ein Käfig, wir drin, die Moskitos und andere Krabbeltiere draußen. Vom Bett aus kann man in den Urwald schauen, die Geräusche sind ungefiltert so, als würden wir in einer Astgabel schlafen.
Nachts haben wir Besuch von etwas Größerem auf der Terrasse. Nasenbär sagt, er wollte nicht nachschauen, was es war…
Morgens präsentiert sich ein Regenwald, wie er sein soll! Nebelbänke über den Wipfeln, riesige Bäume in allen Grüntönen. Ab und zu schreit ein Brüllaffe. Ich gehe duschen. Außendusche mit Blick in die grüne Tiefe. Es kommt warmes Wasser, ich schäme mich für so viel Luxus, genieße es aber trotzdem. Nach dem Frühstück brechen wir auf. Mit dem Boot auf dem Rio San Carlos machen wir Jagd auf schöne Fotomotive. Miguel, der Guide zeigt uns viel, ich schieße, bis der Akku leer ist. Wir halten an einer Finca und bekommen einen Grundkurs in Costa Ricanischer Landwirtschaft. Kuh melken, Zuckerrohr auspressen, Cocosnüsse, Passionsfrucht und Kochbananen dürfen wir probieren und eine botanische Unterweisung inclusive Kochrezepten gibts auch noch. Das Boot bringt uns zur nicaraguanischen Grenze, an der wir brav umdrehen, aber gesehen haben wir’s!
Nachmittags geht es zu Fuß in den Dschungel. Festes Schuhwerk ist gefordert. Miguel zeigt uns viele tolle Sachen, er erklärt klasse. Wie er zum Beispiel die Fledermaus gefunden hat. Oder warum die Brettwurzel des Tropenbaumes zum Berg hin U-förmig ist. Wir lernen die Palme kennen, die der Lodge ihren Namen gibt – Maquenque. Wenn Sie umfällt, macht sie einfach neue Wurzeln und stellt sich wieder auf! Nach der langen Runde sind wir ordentlich geschafft und freuen uns auf ein kaltes Getränk.

Unser Baumhaus:

Mitten im Grünen:

Nebelwald

Rio San Carlos

Schön bunt

Tukan

Nicht Giftig

Giftig und klein wie ein kleiner Fingernagel